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Religion and Tolerance in Germany | 7/5/15 | Berlin

The Federal Foreign Office of Germany invites experts and officials from all over the world to Germany to talk about „United in Diversity – Religion and Tolerance in Germany“. The program lasts from July 5th to July 10th. The participants discuss freedom of religion, the relationship of religion and the state, current challenges in Germany and the Luther Decade 2015 amongst other things.

Among the speakers of the program are Sven Speer (Open Religious Policy Forum) and representatives of the Protestant Church, the Commissariat of German Bishops, the Central Council of Jews in Germany, the Central Council of Muslims in Germany and the Alevi Community Germany/AABF.

The program is organized and implemented by the Institute for Foreign Cultural Relations, (ifa).

Islam und freiheitlich-demokratische Grundordnung in Deutschland

Die Frage, ob der Islam Teil Deutschlands ist, kann nicht einfach mit Ja oder Nein beantwortet werden. Wird eine lange historische Perspektive eingenommen, hat der Islam in Deutschland nur eine randständige Rolle gespielt. Werden die letzten Jahrzehnte und die Gegenwart in den Fokus genommen, so sind Muslime und damit der Islam ein Teil der deutschen Gesellschaft. Das Etikett „Teil Deutschlands“ erinnert allerdings auf beunruhigende Weise an die frühneuzeitliche Praxis, in der die Herrscher darüber entschieden haben, welche Religion und welche Konfession zu ihrem Territorium gehört, welche geduldet wird und welche verfolgt und vertrieben wird.

Die freiheitlich-demokratische Ordnung des Grundgesetzes ist eine andere, eine offene. Das Bundesverfassungsgericht hat bereits 1965 festgestellt: „Das Grundgesetz legt […] dem Staat als Heimstatt aller Bürger ohne Ansehen der Person weltanschaulich-religiöse Neutralität auf.“ Anfang 2015 hat das Bundesverfassungsgericht diesen Grundsatz erneut bestätigt und weiter ausgeführt, dass die Neutralität eine „offene und übergreifende, die Glaubensfreiheit für alle Bekenntnisse gleichermaßen fördernde Haltung“ sein muss.

Unzweifelhaft hat die Ordnung des Grundgesetzes, die auf Freiheit und Toleranz fußt, ihre Wurzeln in Christentum, Judentum und Aufklärung. Sie ist entstanden im jahrhundertelangen Ringen um Wahrheit, Glaubensfreiheit und die Freiheit, nichtreligiös zu sein. Das Dach dieser Ordnung mit christlich-jüdisch-humanistischen Wurzeln schützt jedoch nicht nur diejenigen Religionen und Weltanschauungen, die sie hervorgebracht haben. Unter diesem Dach können alle Religionen und Weltanschauungen gedeihen und zu weiteren Stützpfeilern der freiheitlich-demokratischen Ordnung werden. Unsere Freiheit kann auf mehr als einem Wege begründet werden. Studien zeigen, dass bereits heute über 90 % der sunnitischen Muslime in Deutschland die Demokratie für eine gute Regierungsform halten. Dies gilt auf für die hochreligiösen Muslime.[1]

Militante Ausprägungen des Salafismus schaden derzeit der freiheitlichen Ordnung unseres Landes und richten verheerende Schäden in etlichen arabischen Staaten an. Untersuchungen haben gezeigt, dass deutsche Männer und Frauen, die sich dem selbst ernannten Islamischen Staat anschließen, zuvor kaum bis gar nicht religiös waren und somit religiös ungebildet sind. Wer hingegen in funktionierende Strukturen eingebunden ist, ist weit weniger anfällig für Extremismus als jemand, der orientierungslos ist. Gemeinsam mit muslimischen Verbänden und Initiativen gilt es daher, Radikalisierungstendenzen entschlossen entgegenzutreten, um die freiheitliche und demokratische Ordnung zu schützen – zum Wohle aller Religionen und Weltanschauungen in unserem Land.

Eine weitere Gefahr für die freiheitliche Ordnung sind die tiefen Vorbehalte in der deutschen Bevölkerung gegenüber dem Islam. Mehr als die Hälfte der Deutschen fühlt sich durch den Islam bedroht. 40 % fühlen sich durch Muslime als Fremde im eigenen Land. Diese Einschätzungen sind ernst zu nehmen, entbehren jedoch einer empirischen Grundlage. Wir erleben keine Islamisierung des Abendlandes. Aktuell sind 2,4 bis 5,5 Prozent der deutschen Bevölkerung Muslime. Die Geburtenrate eingewanderter Muslime passt sich – wie bei anderen Einwanderern auch – sehr der aufnehmenden Gesellschaft an. Lag die Geburtenrate 1970 noch bei 4,4 Kindern, so liegt sie mittlerweile bei 2,2 Kindern und bewegt sich weiter auf den deutschen Durchschnitt von 1,38 Kindern zu.

Auch durch Zuwanderer erhöht sich die Zahl von Muslimen in Deutschland kaum. 58 Prozent der Zuwanderer stammten 2013 aus der EU. Nach EU-Ländern an der Spitze folgen Russland, die USA und Serbien. Erst auf dem elften Platz folgt mit der Türkei ein mehrheitlich muslimisches Land. Allerdings wanderten 7.000 mehr Menschen von Deutschland in die Türkei ausgewandert, als umgekehrt (2013). Der Wanderungssaldo ist damit negativ. Lediglich die Zahlen muslimischer Flüchtlinge steigen derzeit rapide an. Grund dafür ist nicht die Islamisierung des Abendlandes, sondern der Islamismus im Morgenland. Moderate Muslime flüchten vor dem Terror des selbst ernannten Islamischen Staates und suchen Schutz. Ebenfalls fliehen Christen und Jesiden, die um ihr Leben fürchten. Es ist geradezu ein Gebot unseres abendländischen Erbes, diesen Menschen zu helfen.

Werden die Rechte von Muslimen eingeschränkt, wird damit die Freiheit in unserem Land insgesamt eingeschränkt. Denn die Freiheit einer Gesellschaft bemisst sich, wie schon Isaiah Berlin schrieb, an der Zahl und der Wichtigkeit der Wege, die sie ihren Mitgliedern offen hält.

[1] http://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/Projekte/51_Religionsmonitor/Zusammenfassung_der_Sonderauswertung.pdf

Foto: (c) Pixabay

Auf welche Berufe bereitet das Studium der islamischen Theologie vor?

Fotos (c) Pixabay, privat

Grundlegend ist an dieser Stelle voranzuschicken, dass es sich bei sehr vielen Studiengängen an universitären Einrichtungen so verhält, dass man nicht exklusiv von der „einen“ Berufsperspektive sprechen kann, so wie es bei Ausbildungsberufen gegeben ist oder bei zumindest einigen Studiengängen, bei denen eine Berufsperspektive definitiv angestrebt werden kann. Die meisten Studiengänge, deren Abschlüsse einen homogenen Rahmen an Berufsperspektiven ausmachen, wie es bei vielen naturwissenschaftlichen Studiengängen, in Abgrenzung an die Geisteswissenschaft, der Fall ist. Noch viel eindeutiger verhält es sich beim Studium des Lehramts. Aber selbst bei diesen Studiengängen ist dennoch eine gewisse Pluralität auszumachen. Ein Lehrer kann in Ministerien arbeiten oder wissenschaftlich forschen. Kant erwähnt beiläufig in seiner Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, dass man einem Menschen so viele Mittel geben soll, wie es nur möglich ist, um den ungewissen zukünftigen Zweck dienlich bzw. nützlich zu werden. So verhält es sich eben im Studium, in dem man impulsartig über mannigfaltige Mittel des jeweiligen Faches in Kenntnis gesetzt wird, um sich später im Berufsleben zu spezialisieren.

Die islamische Theologie bereitet in Anbetracht der Berufsperspektiven eine größere Verworrenheit, als die restlichen Studiengänge. In der Tat vorrangig deswegen, weil dieser Studiengang in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt und aus diesem Grund keine Absolventen/innen, zumindest nicht in Osnabrück, hervorgebracht hat. Insofern liegen keine Erfahrungswerte in diesem Sinne zur Grunde.

Nichtsdestotrotz lassen sich zweifelsohne anhand der im Studiengang vermittelten Kompetenzen und Kenntnisse Aussagen hinsichtlich des Nutzens für die Berufsaussichten treffen. Aber auch vor allen Dingen lassen sich konkrete Berufsaussichten ausmachen, wenn man betrachtet, was die Politik und die muslimische Gemeinschaft mit der Institutionalisierung der islamischen Theologie beabsichtigt haben. Unter Berücksichtigung dieser zwei Elemente, die Ursache für das Entstehen der islamischen Theologie in Deutschland und das, was den Studierenden im Studiengang selbst vermittelt wird, kann man drei Berufe festmachen, die beabsichtigt worden sind. Das ist in erster Linie der Beruf des Theologen bzw. des Imamen, zudem der/des Islamlehrers/inn und schließlich des Seelsorgers. Fraglich ist hier jedoch, wie die Finanzierung der Theologen zu bewerkstelligen ist, wenn man bedenkt, was für eine wichtige Schlüsselrolle den deutsch-islamischen Theologen zukommen wird. Mir scheint daher die Idee einer islamischen bzw. muslimischen Steuer reif für eine Realpolitik zu sein, um die entstehenden Kosten, genau wie bei den christlichen Einrichtungen, decken zu können.

Neben diesen klaren Berufen gibt es mannigfaltige Berufe, die angestrebt werden könnten und die sich allesamt im öffentlichen Leben bewegen: Journalist, Nah-Ost Experte, Politiker oder eine akademische Laufbahn, insbesondere ist hier die junge Stiftung Avicenna zu erwähnen, die jungen muslimischen Akademikern/innen unter die Arme greifen soll. Journalismus sei besonders hervorzuheben – allein schon deswegen, dass man leider des Öfteren beobachtet, dass jene Journalisten, die über den Islam berichten oder über den Nahen-Osten, überfordert sind und schon mit ihrem unzureichenden Verständnis grundlegender Begrifflichkeiten wie Scharia oder Jihad für Verwirrung sorgen. Insofern kann dies ein Ansporn für angehende Theologen/innen der islamischen Theologie sein, sich dem Journalismus zu widmen, um für die hiesigen Bürger Bericht zu erstatten.

Zusammenfassend scheint ein Aufholbedarf zu bestehen seitens der Politik und der muslimischen Gemeinschaften, um die Berufsperspektiven auszudehnen bzw. die dominierenden, wie die des Theologen realisierbar zu machen. Der größte Beitrag kommt meines Erachtens dem Studierenden der islamischen Theologie selbst zu, einen nach seinem Schwerpunkt liegenden Beruf zu finden. Insofern ist der Nutzen des Studienganges eine Selbstverortung im Spektrum möglicher Berufe, die auf den Abschluss der islamischen Theologie folgen können. Mit ein wenig Optimismus kann man den jungen Studiengang im Hinblick auf die Berufschancen als eine Chance für die ersten angehenden Theologen/innen sehen. Immerhin ist man als angehender Theologe am Reifeprozess mittelbar oder unmittelbar involviert und gehört zudem zu einer neue Generation islamischer Theologen/innen in Deutschland.

Democracy and the Religious Challenge | 5/3-6/6/15 | Beirut

On occasion of the 10th anniversary of the assassination of Lebanese Journalist Samir Kassir, the Samir Kassir Foundation hosted the Beirut Spring Festival from May 3rd to June 6th. Several discussions will address issues of freedom and democracy.

Sven Speer, chairman of the Open Religious Policy Forum, will have a discussion with Abbas Halabi from the Muslim-Christian Dialogue Committee (Lebanon), Nabila Hamza from Egalité et Parité (Tunisia) and the member of parliament Farid El-Khazen (Lebanon). LBCI moderator Dalal Mawad will be the host of the evening.

The issues raised will focus on the question whether and how religion and democracy are compatible in general and in the Arab World especially. Can religious forces be integrated in democracies or are they an – occasionally lethal – threat for democratization processes?

Here you will find more information about the event: http://samirkassirfoundation.org/en/Samir-Kassir-Foundation/Activities-Projects/The-Beirut-Ideas-Democracy-and-the-religious-challenge

Aktuelle Publikation

Religionspolitik in der Verfassungsgebung der deutschen Bundesländer

"Die vorliegende Arbeit belegt empirisch, dass die Religionspolitik in den deutschen Verfassungen im Kern weder einem gesellschaftlichen...

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