Die vierzehn Gründungsmitglieder des Forums Offene Religionspolitik (FOR)

Ideelle Mitgliedschaft eingeführt

Mit einer ideellen Mitgliedschaft können Sie die Ideen des Forums Offene Religionspolitik e.V. ohne finanziellen Mitgliedsbeitrag unterstützen. Sie werden zu den Mitgliederversammlungen eingeladen und erhalten unseren Newsletter. Darüber hinaus werden Sie Teil eines Netzwerks, das sich mittlerweile über die verschiedensten Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften erstreckt und zahlreiche Multiplikatoren umfasst.

Das Antragsformular für die ideelle Mitgliedschaft finden Sie hier.

Fotos (c) Pixabay, privat

Auf welche Berufe bereitet das Studium der islamischen Theologie vor? – Gastbeitrag von Samet Balci

Samet Balci

Samet Balci

Grundlegend ist an dieser Stelle voranzuschicken, dass es sich bei sehr vielen Studiengängen an universitären Einrichtungen so verhält, dass man nicht exklusiv von der „einen“ Berufsperspektive sprechen kann, so wie es bei Ausbildungsberufen gegeben ist oder bei zumindest einigen Studiengängen, bei denen eine Berufsperspektive definitiv angestrebt werden kann. Die meisten Studiengänge, deren Abschlüsse einen homogenen Rahmen an Berufsperspektiven ausmachen, wie es bei vielen naturwissenschaftlichen Studiengängen, in Abgrenzung an die Geisteswissenschaft, der Fall ist. Noch viel eindeutiger verhält es sich beim Studium des Lehramts. Aber selbst bei diesen Studiengängen ist dennoch eine gewisse Pluralität auszumachen. Ein Lehrer kann in Ministerien arbeiten oder wissenschaftlich forschen. Kant erwähnt beiläufig in seiner Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, dass man einem Menschen so viele Mittel geben soll, wie es nur möglich ist, um den ungewissen zukünftigen Zweck dienlich bzw. nützlich zu werden. So verhält es sich eben im Studium, in dem man impulsartig über mannigfaltige Mittel des jeweiligen Faches in Kenntnis gesetzt wird, um sich später im Berufsleben zu spezialisieren.

Samet Balci ist in Hannover geboren und studiert islamische Theologie, Geschichte und Philosophie an der Universität Osnabrück. Er ist wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl Prof. Dr. Dr. Rauf Ceylan und hat für seine Leistungen ein einmaliges Landesstipendium Niedersachsen gewährt bekommen.

Die islamische Theologie bereitet in Anbetracht der Berufsperspektiven eine größere Verworrenheit, als die restlichen Studiengänge. In der Tat vorrangig deswegen, weil dieser Studiengang in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt und aus diesem Grund keine Absolventen/innen, zumindest nicht in Osnabrück, hervorgebracht hat. Insofern liegen keine Erfahrungswerte in diesem Sinne zur Grunde.

Nichtsdestotrotz lassen sich zweifelsohne anhand der im Studiengang vermittelten Kompetenzen und Kenntnisse Aussagen hinsichtlich des Nutzens für die Berufsaussichten treffen. Aber auch vor allen Dingen lassen sich konkrete Berufsaussichten ausmachen, wenn man betrachtet, was die Politik und die muslimische Gemeinschaft mit der Institutionalisierung der islamischen Theologie beabsichtigt haben. Unter Berücksichtigung dieser zwei Elemente, die Ursache für das Entstehen der islamischen Theologie in Deutschland und das, was den Studierenden im Studiengang selbst vermittelt wird, kann man drei Berufe festmachen, die beabsichtigt worden sind. Das ist in erster Linie der Beruf des Theologen bzw. des Imamen, zudem der/des Islamlehrers/inn und schließlich des Seelsorgers. Fraglich ist hier jedoch, wie die Finanzierung der Theologen zu bewerkstelligen ist, wenn man bedenkt, was für eine wichtige Schlüsselrolle den deutsch-islamischen Theologen zukommen wird. Mir scheint daher die Idee einer islamischen bzw. muslimischen Steuer reif für eine Realpolitik zu sein, um die entstehenden Kosten, genau wie bei den christlichen Einrichtungen, decken zu können.

Neben diesen klaren Berufen gibt es mannigfaltige Berufe, die angestrebt werden könnten und die sich allesamt im öffentlichen Leben bewegen: Journalist, Nah-Ost Experte, Politiker oder eine akademische Laufbahn, insbesondere ist hier die junge Stiftung Avicenna zu erwähnen, die jungen muslimischen Akademikern/innen unter die Arme greifen soll. Journalismus sei besonders hervorzuheben – allein schon deswegen, dass man leider des Öfteren beobachtet, dass jene Journalisten, die über den Islam berichten oder über den Nahen-Osten, überfordert sind und schon mit ihrem unzureichenden Verständnis grundlegender Begrifflichkeiten wie Scharia oder Jihad für Verwirrung sorgen. Insofern kann dies ein Ansporn für angehende Theologen/innen der islamischen Theologie sein, sich dem Journalismus zu widmen, um für die hiesigen Bürger Bericht zu erstatten.

Zusammenfassend scheint ein Aufholbedarf zu bestehen seitens der Politik und der muslimischen Gemeinschaften, um die Berufsperspektiven auszudehnen bzw. die dominierenden, wie die des Theologen realisierbar zu machen. Der größte Beitrag kommt meines Erachtens dem Studierenden der islamischen Theologie selbst zu, einen nach seinem Schwerpunkt liegenden Beruf zu finden. Insofern ist der Nutzen des Studienganges eine Selbstverortung im Spektrum möglicher Berufe, die auf den Abschluss der islamischen Theologie folgen können. Mit ein wenig Optimismus kann man den jungen Studiengang im Hinblick auf die Berufschancen als eine Chance für die ersten angehenden Theologen/innen sehen. Immerhin ist man als angehender Theologe am Reifeprozess mittelbar oder unmittelbar involviert und gehört zudem zu einer neue Generation islamischer Theologen/innen in Deutschland.

Fotos (c): Pixabay, privat

Sven Speer, Vorsitzender des Forums Offene Religionspolitik (FOR)

Church Initiatives and the State’s Hostile Takeover

Today the large churches in Germany seem to be free riders at the state’s charge: The state educates teachers and priests, funds religious education at public school and funds together with statutory insurances in great part their welfare organizations Caritas and Diakonie. The list goes on and on. It seems the churches got comfortable in the state. In fact, the opposite is true: The state claims for itself what the churches have built up in the past.

The first European universities have been church institutions. Paris, Bologna, Oxford and Cambridge originated already in or at the end of the 12th century CE. Unlike Chinese academies for the education of state officials, the mandarins, the church universities weren’t spaces for mere production of tradition. They neither were spaces of pure prayer and retreat from the secular world. Quite the reverse: The theology at the universities has been so speculative that it developed into the driving force for the emergence of science. Despite the claim to absoluteness of the church, freedom developed at its universities, which enabled people to defy the church.

Martin Luther, John Calvin, Galileo Galilei and Giordano Bruno were graduates of church universities. Over the centuries the church has – respectively in plural later: the churches have – lost their influence at universities. What the church has built up, the state has taken over nearly completely. Today, in Germany some criticize that theology is taught at state universities at all. And they regard that as a violation of freedom. They overlook, that conversely the expanding state has constrained the freedom of the churches at the universities.

Earlier than the German state the Roman Catholic Church and the Evangelical State Churches took care of the social question. They fought for worker right in the industrializing society (the same is true for the Social Democrats of course). Both churches founded several hospitals and associations for care of the poor in the 19th century. From the cradle to the grave associations evolved in which Catholics in particular shouldered responsibility for themselves and other, independent of the Protestant dominated German state(s). This engagement was recognized politically during the Weimar Republic – which is not surprising as the Social Democrats formed several government coalitions with the Catholic Center Party. The system of state welfare in the kaiserreich evolved into a developing modern welfare state. Church institutions benefited from this trend.

At the beginning of the Federal Republic of Germany state funding for non-state initiatives in welfare expanded significantly as subsidiarity was a chosen leitmotiv of the social market economy. What can be done locally and by non-state initiatives should not be done by state and municipalities. However, where cash flows, desires arise. According to this politics imposed more and more restrictions on church welfare. When in contrast to political opinion value perceptions of the churches should no longer apply to institutions which are at least in part funded by the public – some demand that. But this would in fact be a hostile takeover.

What applies on universities and hospitals, applies to senior citizens’ homes, kindergartens, schools, care for the poor und much more as well: The churches have initiated them, built them up and maintained them. After their services have proven themselves successful, the state supported them financially more and more. By this the desires grow and the state confined the freedom of the churches in their own institutions more and more – when the state has not taken the institutions over completely. A policy like this is in deep contrast to Open Religious Policy. The state has to support the initiatives of its citizens irrespective of their religion or philosophy. The state may engage in welfare and education. It has to engage when there are deficiencies or some groups of the population are excluded.

However, the state has to abstain from taking over initiatives of the citizens. The intents may be well-intentioned, but such a policy constrains the freedom of the citizens. When we next time are upset about church institutions funded partly by the public, we should not instantly cry for a takeover. We should build alternatives ourselves. We have the freedom for that.