Positionen

18. April 2011

Kooperation von Staat und Religion fit machen für eine Zukunft in Vielfalt

Sven Speer, Vorsitzender des Forums Offene Religionspolitik (FOR)

Das Verhältnis von Staat und Kirchen in Deutschland hat sich bewährt, sagt Sven Speer, Vorsitzender des Forums Offene Religionspolitik. Zugleich fordert er: Eine entsprechende Zusammenarbeit mit dem Staat muss auch anderen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften offen stehen.

Während Staat und Kirchen in Deutschland getrennt sind, kooperieren sie in vielen Bereichen partnerschaftlich. Dadurch besteht eine große Vielfalt bei Kindertagesstätten, Schulen, Krankenhäusern, Seniorenheimen, Hospizen und vielen weiteren Einrichtungen. Die Kooperation zwischen Kirchen und Staat hat sich bewährt und sollte auch in Zukunft fortgesetzt werden.

Die Grundlage für die Zusammenarbeit indes hat sich gewandelt. War in den 1950er Jahren noch nahezu jeder Deutsche Mitglied in der katholischen oder evangelischen Kirche, so steht heute jeder Dritte außerhalb dieser Kirchen. Die meisten von ihnen sind Nichtreligiöse, unter ihnen sind aber auch viele Muslime. Beide Gruppen werden von einer Kooperation mit dem Staat derzeit ausgeschlossen.

Offene Religionspolitik bedeutet, allen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften gleichen Zugang zum öffentlichen Raum und zu staatlicher Förderung zu gewähren und dabei die Freiheitsrechte des einzelnen Bürgers zu wahren. In einem solchen Modell kooperiert der Staat mit allen Gemeinschaften, seien sie christlich, muslimisch, atheistisch oder anderes, die unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung unterstützen.

Dadurch wird das Angebot für alle Bürger vielfältiger, weil der Staat nicht nur mit den großen Kirchen, sondern auch mit kleineren Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften zusammenarbeitet. Während staatliche Einrichtungen allen Bürgern offen stehen, ohne Rücksicht auf ihre Religion oder säkulare Weltanschauung, werden daneben Einrichtungen unterstützt, die sich durch das gelebte Bekenntnis einer Gemeinschaft auszeichnen.

Eine offene Religionspolitik führt die erfolgreiche Zusammenarbeit des Staates mit den Christen fort und weitet sie auf Nichtreligiöse, Muslime und kleinere Gemeinschaften aus. Mit einer offenen Religionspolitik beseitigen wir nicht nur die aktuelle religionspolitische Ungleichbehandlung: Wir machen die Kooperation von Staat und Kirche fit für eine Zukunft in Vielfalt.



About the Author

Sven Speer
Sven Speer ist Gründer und Vorsitzender des Forums Offene Religionspolitik (FOR). Zum Thema religiöse Vielfalt und Toleranz sprach er als Redner im Rahmen zahlreicher Vorträge und Podiumsdiskussionen von Jerusalem bis Salt Lake City. Speer war Stipendiat der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Mitarbeiter am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) in Osnabrück und am Exzellenzcluster "Religion und Politik" der Universität Münster sowie Fellow am German Marshall Fund of the United States in Washington, D.C. Derzeit arbeitet er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag mit den Schwerpunkten Integration und Islam. Sie erreichen ihn unter sven.speer@offene-religionspolitik.de.




 
 

 
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