Singende Muslime, in Joghurt badende Götter und das Taj Mahal Berlins – Bericht von der Langen Nacht der Religionen

Die Lange Nacht der Religionen in Berlin hat den zehn Teilnehmern der Tour des Forums Offene Religionspolitik eine bunte Vielfalt religiöser Eindrücke vermittelt. Gemeinsam war den Gemeinschaften, die wir besucht haben, nur die Gastfreundschaft – und dass überall die Schuhe ausgezogen wurden.
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Begonnen haben wir unsere Reise beim Sufi-Orden Tariqa Burhaniya Berlin e.V. Der Orden hat zum ersten Mal an der Langen Nacht teilgenommen und einen Einblick in Theorie und Praxis seines Glaubens gegeben. Die Wurzeln der Tariqa Burhaniya reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück und wurden im 20. Jahrhundert von dem sudanesischen Scheich Maulana Mohamed Osman Abdu al Burhani wiederbelebt. Die Mitglieder in Berlin sind altersmäßig bunt gemischt und haben die verschiedensten Hintergründe. Der Höhepunkt des Besuchs waren die Gesänge der Sufischüler, die alle Zuhörer in ihren Bann zogen. Wir hätten den Klängen noch einer ganzen Weile lauschen können, mussten dann aber zur nächsten Station aufbrechen.

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Bei der buddhistischen Dzogchen Gemeinschaft Berlin lernten wir die Unterschiede zwischen den einzelnen buddhistischen Traditionen und vor allem den Dzogchen-Buddhismus kennen. In einem Vortrag erfuhren wir viel über das Erlöschen im Nirvana, das Loslassen vom Anhaften, Regenbogenkörper und sogar ein klein wenig über Tantra-Sex. Diejenigen, die dem Redner im Meditationssitz auf der Matte folgten, mussten rasch feststellen, dass der Meditationssitz für den Ungeübten weit weniger mühelos ist, als er aussieht. Die Diskussion im Anschluss an den Vortrag zeigte rasch, dass wir in der Kürze der Zeit nur einen ersten Eindruck bekommen konnten.

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Unser Weg führten uns anschließend zu einem prachtvollen hinduistischen Tempel, der einem Vorbild in Sri Lanka nachgebaut war. Der Sri Mayurapathy Murugan Tempel wird in erster Linie von tamilischen Hindus mit Wurzeln in Südindien und Sri Lanka genutzt. Der Tempel war nicht nur äußerlich eine Pracht, sondern bot auch im Inneren viel Anlass zum Staunen. Die Schreine der verschiedenen Götter sind groß und bildreich. Eine junge Führerin hat uns aus dem Glauben ihrer Gemeinschaft berichtet. So erfuhren wir, dass die Götterfiguren in Joghurt und Honig gebadet werden und die Priester nicht berührt werden dürfen.

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Unsere letzte religiöse Station war das Taj Mahal Berlins, die älteste Moschee Deutschlands. Die Wilmersdorfer Moschee wurde 1924 von der Ahmadiyya Anjuman Isha’at-i-Islam Lahore erbaut und seither von ihr genutzt. Die Gemeinschaft hat zwar manche Gemeinsamkeiten mit der Ahmadiyya Muslim Jamaat, aber sollte nicht mit dieser verwechselt werden, da die beiden theologisch viel trennt. Vermutlich konnte nicht jeder den theologischen Feinheiten folgen, beeindruckt war aber jeder Teilnehmer von der Geschichte der Gemeinschaft und natürlich der Architektur ihrer Moschee beeindruckt. 26 Meter ragt die Kuppel auf, die einen Durchmesser von zehn Metern hat.

Ausklingen lassen haben wir den Abend in der Besenwirtschaft. Ob Klosterbräu, Orangensaft oder Almdudler: Die Wahl der Getränke war so vielfältig wie die Lange Nacht der Religionen selbst. Uns ist wieder einmal deutlich geworden: Deutschland wird nicht nur vielfältiger, die Vielfalt ist längst da. Angst vor dieser Vielfalt brauchen wir nicht zu haben, für uns war sie eine Bereicherung. Auch im kommenden Jahr sind wir wieder dabei, diesmal bereits früher im Jahr am 27. Mai 2017.